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Über christliche Hautpflege

Winterzeit, Heizungsluft... trockene, rissige Haut – kennen Sie das auch? Zumindest ich als „subtropische Pflanze“ kann da ein Lied von singen. Ohne Hautlotion und Creme geht gar nix, meine Haut braucht Pflege.

Die Haut ist wichtig – sie schützt vor Kälte, Hitze, dem Austrocknen. Stöße und Krankheitserreger wehrt sie ab. Sie regelt die Körpertemperatur und nicht zuletzt tasten und fühlen wir über die Haut. Ohne Pflege neigt sie dazu, rissig und spröde zu werden. Dann kann sie ihre Schutzfunktion nicht mehr erfüllen und Keime und Entzündungen dringen ein, und sie altert auch schneller. Also braucht unsere Haut Aufmerksamkeit. Nivea, Balea und Co. lassen grüßen. Diese Hautpflegeprodukte – mit und ohne Öl - können wir uns leisten, die gibt es in jeder Drogerie und in allen Preisklassen, für alle erschwinglich.

Es geht auch exklusiver, wenn ich an die Krönung von Charles im Mai 2023 zurückdenke. Beim Krönungsgottesdienst wurde er zum König gesalbt, geheimnisvoll hinter einem Vorhang. Die Salbung, bei der der Bischof dem angehenden König mit dem Öl ein Kreuz auf Kopf, Hand und Herz zeichnet, ist einer der heiligsten Momente bei der Krönung und darf daher nicht fotografiert oder gefilmt werden. Das dafür verwendete Salbungsöl wurde eigens aus Oliven hergestellt, die an der letzten Ruhestätte von König Charles Großmutter Alice von Battenberg angebaut werden. Dieses Öl ist also etwas ganz Exklusives. Hat nicht jeder. Hier geht es weniger um die tagtägliche Hautpflege, sondern um den Akt der Übertragung der Königswürde.

Obwohl - Salbungsöle haben wir auch. Auch etwas besonders, aber nicht exklusiv, sondern für alle.

Einmal im Jahr in der Chrisammesse – seit Bischof Helmut Dieser am Dienstag in der Karwoche - werden im Hohen Dom zu Aachen die zubereiteten heiligen Öle geweiht. Hier wird gutes Olivenöl verwendet, verfeinert mit Balsam und Duftstoffen.
Eine Abordnung aus St. Martin holt diese Öle jedes Jahr in Aachen ab, und am Abend werden sie hier bei uns in Empfang genommen in unser „Ölmesse“. Die Küsterinnen und Küster nehmen die Öle dann mit in die einzelnen Gemeinden.

Das Katechumenenöl (cat) soll erwachsene Taufbewerber auf dem Weg zur Taufe stärken. Das meistgenutzte Öl ist Chrisam (chr) und kommt hier bei uns zum Einsatz bei der Taufe und der Firmung.  

Wer in Taufe und Firmung mit Chrisam gesalbt wird, ist König, Priester und Prophet, wie Christus selbst. Sie werden dadurch Gottes Kinder, beauftragt zu dienen, Gottes Wort in die Welt zu bringen und mit Vertrauen zu leben. Es ist eine Zusage, geliebt zu sein und Gottes neue Welt mitzugestalten. 

 

In der „Ölmesse“ kommt das frisch geweihte Krankenöl (Inf -  oleum infirmorum“) dann auch direkt zum Einsatz, denn wer möchte, kann an diesem Abend das Sakrament der Krankensalbung empfangen.

Wer in Zeiten von Krankheit oder Belastung diese Salbung empfängt, soll die Zuversicht und die heilende Nähe Gottes spüren. Damit wird zugesagt:  In den Augen Gottes bist Du etwas Besonderes - aber nicht exklusiv und nur allein, sondern gemeinsam mit anderen. Menschen aller Art sind eingeladen. „Alle, alle“, hat Papst Franziskus immer wieder gesagt, wenn er darauf angesprochen wurde, wer Zugang zur Kirche haben soll.

Wie unsere Haut nach Aufmerksamkeit und Pflege verlangt, so auch unsere Seele -  man könnte sagen, eine Art „christliche Hautpflege“. Öl schützt, Öl heilt und Öl hält geschmeidig.

Doch wie bleibe ich gläubig-geschmeidig?
Es gibt viele gute Übungen:
Beten gehört dazu.
Freude daran, zusammenzukommen im Gottesdienst und darüber hinaus.
Die Bibel immer wieder zu Rate ziehen und tolle Beispiele von Vorbildern,
die es oft unter schweren Bedingungen hinbekommen haben - die Heiligen wie die Helden des Alltags.
Offene Augen und Herzen für Menschen, die Hilfe brauchen.
Das hat Jesus ja selber gesagt: Was ihr solch einem Menschen tut, das habt ihr mir getan!

Eines ist aber klar: Auch „christliche“ Hautpflege braucht - sie kennen das - Regelmäßigkeit, damit sie geschmeidig bleibt.
Wie sich das anfühlt, das – so finde ich – drückt ein Gebet (nach Anton Rotzetter, 1939-2016) ganz gut aus:
„Gott,
nicht ich,

du und ich.
Nicht einfach du,
du in mir:

Ich in deinen Verheißungen und du in meinen Gedanken.
Ich in deinem Willen und du in meinen Taten.

Ich in deiner Gnade und du in meinen Händen.
Ich in deiner neuen Welt und du in meinem Alltag.
Und all das zugleich.“

 

Ihr Pfarrer Franz Xaver Huu Duc Tran