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Bild Boje Februar 2026

Februar 2026:Über positive Grundhaltung

Das ist aber auch grad ein Wetter… Nach den eisigen Tagen am Jahresanfang ist es nun fast zu warm, es ist trüb, es fisselt, es ist ungemütlich. Das Wetter lädt geradezu ein zum Nachdenken, zum Grübeln.

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Dazu noch die aktuelle Nachrichtenlage – Venezuela, Grönland, um nur ein paar Stichworte zu nennen. Aber nicht nur das Weltgeschehen lässt grübeln, mitunter auch unser Alltag, und bei zu viel Nachdenken tun sich leicht Verunsicherung, Selbstzweifel auf. Wer kennt solche Gedanken nicht: Was hab ich da nur gestern für einen Unsinn geredet, jetzt halten mich alle für dumm. Oder:  Die Nachbarin war gestern so komisch, hab ich was falsches gesagt? Beliebt sind auch „Katastrophenszenarien“ wie: die Präsentation morgen setze ich bestimmt in den Sand sind oder schon wieder dieses Ziehen im Bauch, das ist bestimmt eine schlimme Krankheit. Oder Vergleiche: mit anderen, die vermeintlich so viel besser, klüger, entschlossener oder was auch immer zu sein scheinen; und, mitunter ganz frustrierend: Instagram, Facebook, TikTok und Co. Mein Leben scheint im Vergleich so belanglos. In diesem Gedankenkarussell fahren Sie nicht alleine.

Man sagt, jeder Mensch hat am Tag angeblich um die 6.000 Gedanken. Davon sind nur rund 3 % positiv, 70 % negativ, der Rest eher unwichtig. Wussten Sie das? Dinge kritisch zu bedenken, sicherte der Menschheit das Überleben, und mit diesem Denken können wir auch prima Probleme lösen, das unterscheidet uns von allen anderen Lebewesen. Grübeln gehört zu unserem Menschsein dazu, und es ist auch normal, dass es immer mal wieder Phasen gibt, in denen die Stimmung gedrückt ist.

Belastend wird es dann, wenn die Grübelphase überhaupt kein Ende mehr nimmt. Dann haben wir es mit „Overthinking” zu tun. Wer darunter leidet, macht sich Sorgen über alles – die Vergangenheit, die Zukunft, über eventuelle Katastrophen - und zwar ständig. Er gerät in eine negative Abwärtsspirale – und kann aus dem Gedankenkarussell nicht mehr ohne weiteres wieder aussteigen, weil das Nachdenken zu keinem Ergebnis führt. Wichtige Entscheidungen zu treffen, das wird dann beinahe unmöglich. Man fühlt sich wie im endlosen Wasser…

Die gute Nachricht: Man kann etwas dagegen tun. Man kann eine positive Grundhaltung antrainieren. Ich habe Ihnen hier einmal einige Tipps zusammengetragen, die auch dann hilfreich sind, wenn man selbst (noch) nicht so tief in der Abwärtsspirale sitzt. Es sind Übungen, die man „nur machen muss“ und immer wiederholen – so einfach wie schwer. Aber es ist möglich, und sie sind so etwas wie „Bojen“, an denen man Halt im großen weiten Meer  der Gedanken finden kann:

  1. Am Abend vor dem Einschlafen mind. drei Dinge, Situationen, Begegnungen suchen, für die ich dankbar bin, die mir gut getan haben.
    Das hilft, meine Seele auf das Positive auszurichten.
  2. Meine schlimmsten Befürchtungen, die spuken zunächst nur in meinem Kopf. Wie realistisch ist es, dass davon etwas eintrifft? Für einen Realitätscheck einfach mal aufschreiben und das durchstreichen, was wohl eh nicht passieren wird.
  3. Im Hier und Jetzt – nicht im Gestern und nicht im Morgen – leben. Machen Sie was Schönes, z.B. Sport, malen, tanzen, stricken, nähen, was auch immer – wo Dinge konkret werden durch Tun, nicht durch Denken: Mehr Körper als Gedanken. 
  4. Grübeln und Sorgen werden kommen. Unterdrücken hilft nicht weiter, aber man kann eine Zeiteinheit für die Sorgen reservieren und sie damit kanalisieren, indem man sich regelmäßig hinsetzt und in dieser Viertelstunde, am besten zu einer bestimmten Zeit, die Gedanken aufschreibt. Kommen am Tag neue schlechte Gedanken, müssen die bis zum nächsten „Sorgenaufschreibetermin“ warten.

Gewohnheiten sind vergleichbar mit Ritualen. Rituale helfen und entlasten. Nicht drüber nachdenken, warum – sondern einfach machen. Wenn sie Rituale in ihre Tagesstruktur integrieren, dann geben Sie gleichzeitig ihrem Gedanken-Alltag eine Ordnung - wie Bojen im Meer.

Das ist nicht nur hilfreich für Menschen, die unter Overthinking leiden, sondern für uns alle – und vielleicht gerade in der jetzt anstehenden Fastenzeit.

Verzichten - nicht auf bestimmte Genussmittel, auf Handy oder ähnliches,  sondern auf die 70 % täglichen negativen Gedanken, indem man die 3 % positiven Gedanken stärkt, in den Vordergrund holt, sie zu einer dauerhaften Boje macht in der Gedankenflut, auch über die Fastenzeit hinaus.

 

Fasten bedeutet, mittels Ritualen seine Gedanken neu auszurichten. Das geht alleine, aber auch in Gemeinschaft.
Nicht über das Gebet nachdenken – sondern beten.

Nicht über die Liebe nachdenken – sondern lieben.

Nicht über die Hoffnung seinen Kopf zermartern – sondern hoffen.

 

Ihr Pfarrer Franz Xaver Huu Duc Tran