
Mai 2026:So wie der Frühling das Erstarrte löst, so zeigt Maria: Erlösung beginnt im Herzen – oft ganz leise, aber mit großer Kraft.
Bei gefühlt jedem Foul wird der angefunkt, und dann steht der „richtige“ Schiedsrichter auf dem Platz rum und wartet, bis über Headset die Entscheidung aus dem Keller kommt, die er dann zu verkünden hat…
Das hat doch nix mehr mit Fußball zu tun, hab ich schon mehr als einmal gehört….
Was ist hier passiert: Abgesehen davon, dass der Spielfluss massiv gestört und das Ganze in die Länge gezogen wird mit endlos erscheinenden Pausen, wird das Warten zum ohnmächtigen Geduldsspiel und selbst der Schiedsrichter auf dem Platz wird zum Statisten. Solange der Schiedsrichter auf dem Feld entscheidet, sind Spieler und Publikum Teil eines gemeinsamen Erlebens. Mit dem VAR wird die Entscheidung an eine Kamera abgegeben. Da zählt nicht Augenmaß, Einschätzung, Urteil des menschlichen Schiedsrichters mit allen vielleicht möglichen Fehlentscheidungen (die mitunter auch den Reiz anschließender ausgiebiger Diskussionen ausmachen…), sondern nur die Kameras. Der Schiedsrichter handelt nicht mehr. Es ist nur noch digital unterstützter Regelvollzug.
„Situation und Konstellation: Vom Verschwinden des Spielraumes“ – das trifft so auch den Schiedsrichter auf dem Platz. Beschrieben wird dies in neuem Buch von Hartmut Rosa, über dessen Titel ich quasi gestolpert bin…
Für ein geregeltes Zusammenleben (auch für ein Fußballspiel) brauchen wir strukturelle Rahmenbedingungen mit Regeln, Verfahren, technischen Systemen oder auch Algorithmen. Sie schaffen Klarheit und Rechtssicherheit, stellen Gleichbehandlung und Freiheit sicher. Soweit, so gut. In der Regel lässt sich mit diesen Rahmenbedingungen prima leben. Aber es gibt immer wieder Situationen, die nicht eindeutig, nicht berechenbar sind. Beispiel: Die Regel lautet „Fahren ohne gültigen Fahrausweis kostet den doppelten Fahrpreis. Einspruch nur schriftlich.“ Die Regel ist eindeutig. Aber was ist, wenn der Kontrolleur z.B. auf einen älteren Fahrgast trifft, der nur nicht wusste, dass man den Schein auch abstempeln muss. Da bräuchte es Fingerspitzengefühl, Augenmaß und Urteilskraft, um eine „rheinische Lösung“ zu finden und ggfs. mal fünf grade sein zu lassen.
Doch das wird in unserer modernen Gesellschaft immer schwieriger. „Ich habe keinen Spielraum“ - dieser Satz kennzeichnet mehr und mehr unsere moderne Arbeit. Das Problem ist nicht, dass die Regeln da sind, denn die garantieren, dass keine Willkür herrscht und eine Gesellschaft angesichts der komplizierten und auch komplexen Sachverhalte in unserer Welt handlungsfähig bleibt.
Das Problem ist mehr die Dominanz, das Zuviel der Gesetze, Vorschriften usw., wenn dann gleichzeitig auch der Spielraum verschwindet. Der Mensch wird vom Handelnden zum nur noch Vollziehenden. Er entscheidet nicht mehr, sondern arbeitet nur noch Regeln ab, weil er sonst vielleicht auch Ärger bekommt. Das macht müde, mürbe, ohnmächtig - nicht nur den Einzelnen. Eine ganze Gesellschaft kann so lahmgelegt werden, auch weil viele diese Entscheidungen „rein nach Aktenlage“ , nur richtig oder falsch, ohne dazwischen“ nicht verstehen und als ungerecht empfinden, denn „es muss doch auch begründete Ausnahmen geben können“… Ein „Zuviel“ an striktem Einhalten von Regeln kann dann auch in das Gegenteil umschlagen und scheinbar „einfache Lösungen“ für eigentlich komplexe Probleme werden auf einmal „gesellschaftsfähig“. Und das ist ein Paradox. Denn eigentlich sollte das Regelwerk ja das Zusammenleben erleichtern: Gleichbehandlung, Rechtssicherheit – und damit nicht jeder einzelne Fall immer wieder aufs Neue verhandelt werden muss. Das sollte Freiräume schaffen für das Gestalten weiterer Fragen gesellschaftlichen Lebens.
Und Gestaltung hat nun mal mit Entscheidungen zu tun und dafür auch Verantwortung zu übernehmen. Darin erfahren wir Menschen uns selbst als selbstwirksam. Und nur das macht Sinn, macht das Leben aus
Und dafür brauchen wir Räume, in denen Menschen sich begegnen, zuhören, sich mit dem Anderen auseinandersetzen und so Gemeinsamkeiten und Zusammenhänge schaffen.
Auch „Kirche“ muss immer wieder Spielräume ausloten, im Großen wie im Kleinen – im Vertrauen darauf, dass Gott „da“ ist.
Und wenn die Kirche im Marienmonat Mai die Mutter Gottes besonders ehrt, dann ist Maria für uns genau dafür vermutlich ein gutes Beispiel.
Sie hatte ein grundlegendes Gottvertrauen, dass alles gut werden wird. Marias Vertrauen war kein naives "Augen-zu-und-durch", sondern ein existentielles Einlassen auf Gott, trotz persönlicher Verunsicherung und sozialer Risiken.
Die Muttergottes steht mit ihrem Leben für die offene, unerwartete Situation, in der echtes Handeln und Begegnung möglich ist. Sie hat Spielräume genutzt. Sie hat vertraut, geglaubt, entschieden.
Sie hat Gott Raum gegeben.
Ihr Pfarrer Franz Xaver Huu Duc Tran



