
April 2026:Kennen Sie das auch?
An dieser Stelle sind Blümchen nicht vorgesehen. Und doch – hat ein vorwitziges Samenkorn, wie vom Winde verweht, in der schmalen Ritze Unterschlupf gefunden. Und hat sich zu einem wunderschönen Hornveilchenstrauß entwickelt.
Die Voraussetzungen für das Samenkorn waren denkbar schlecht, aber ein bisschen Regen, ein bisschen Sonne und ein bisschen unbeachtet bleiben hat wundersame Folgen gehabt. Ein wenig wie Magie, wie gemalt. als ob der liebe Gott an diesem Tag ziemlich gute Laune hatte….
Wer aber einmal auf das Veilchen aufmerksam wird, muss sich entscheiden: einfach daran vorbeigehen, oder ausrupfen wie Unkraut, weil es nicht an diese Stelle gehört - oder stehen bleiben und bewundern (und ein Foto machen), sich erfreuen an dieser Farbenpracht. Und was mich noch mehr fasziniert hat: der Überlebenswille dieses kleinen Veilchens.
Das macht Hoffnung.
Selbst in unwirtlicher Umgebung bricht sich das Leben Bahn.
In diesem Zusammenhang: es geht noch viel unwirtlicher. In der Kupferstadt Stolberg, wo ich aufgewachsen bin, findet man das sehr seltene gelbe Galmeiveilchen. Es besiedelt Abraumhalden ehemaliger Erzgruben auf Boden, der so stark mit Zink angereichert ist, dass normale Pflanzen dort sofort eingehen würden. Aber das Galmeiveilchen hat einen ganz eigenen Weg gefunden, die Giftstoffe so zu verarbeiten, dass sie dem Veilchen nicht schaden. Und so verwandelt das Veilchen die öde graue Landschaft wie ein dichter Teppich in leuchtendes Gelb.
Ein ganz starkes Zeichen, das die Natur uns da aufbietet: das symbolisiert das Leben, das dort triumphiert, wo eigentlich der Tod regiert.
Da drängt sich eine Parallele fast auf, oder?
Sind Sie nicht jetzt auch mit mir bei – Ostern?
Für mich ist das Hornveilchen und noch mehr das Galmeiveilchen ein kraftvolles modernes Gleichnis genau dafür.
Ostern ist das Fest, das wir in unseren Gottesdiensten von Palmsonntag bis Ostermontag feiern. Wir erinnern uns an den Weg Jesu vom triumphalen Einzug in Jerusalem über schändlichen Verrat und grausamen Kreuzestod zur Grabesruhe bis hin - in der aufgehenden Sonne - zur Auferstehung. Das ist gut, dass wir uns daran erinnern und es in Erinnerung halten.
Ostern fordert uns aber auch heraus - um einen Platz in unserem Leben, in unserem Alltag zu haben.
Ostern ist nicht da, um abgehakt zu werden. Ostern ist die treibende, die schöpferische und verwandelnde Kraft, die unser Leben durchzieht. Präsent, wie das Veilchen, gerade in unwirtlichen Momenten, in dunklen Stunden.
Stellen wir uns vor, unser Alltag fühlt sich manchmal "giftig" an: Bitterkeit, Streit, Hoffnungslosigkeit oder das Gefühl, auf verbrannter Erde zu stehen. Dort, wo wir denken, es könne nichts Gutes mehr wachsen, setzt das Galmeiveilchen an.
Es lehrt uns: Du kannst blühen, auch wenn die Umstände feindselig sind. Das Gift der Umgebung muss nicht dein inneres Verderben sein; du kannst lernen, damit umzugehen, ohne daran zu zerbrechen.
Das Galmeiveilchen macht aus einer lebensfeindlichen Halde einen Ort der Schönheit. Ostern lädt uns ein, unsere "Trümmerhaufen" – das Schwere und Dunkle – nicht zu verstecken, sondern sie als Grund für etwas völlig Neues zu nutzen.
Die Osterbotschaft flüstert: "Gott beginnt dort, wo wir am Ende sind".
In diesem Sinne – nicht laut, nicht triumphal, sondern leise und beständig: Frohe und gesegnete Ostern.
Ihr Pfarrer Franz Xaver Huu Duc Tran