
Juni 2026:I - Iesous- Jesus * CH -Christos - Christus * TH -Theou- Gottes * Y - Yios – Sohn * S -Soter- Retter, Erlöser
Und das sind nur die kirchlichen Termine. Dinge planen, durchführen und abhaken, zum nächsten gehen, alles ist durchgetaktet - so kennen wir das in unserer Zeit. Nicht die Jahreszeiten bestimmen mehr unser Jahr, sondern der Terminkalender. Aber wir sind es ja gewohnt, so zu arbeiten und zu leben. Wir sind überall. Aber sind wir da wirklich präsent? Mit Kopf, Herz und allen Sinnen? Und wie „speichern“ wir das ab? Wie können wir das fruchtbar machen für unser Leben?
Früher hat man sich am Lagerfeuer Geschichten erzählt, ein Prozess im Sinne der Vergewisserung, dass wir eine Gemeinschaft sind, dass wir zusammengehören - als Familie, als Sippschaft bei Familientreffen, als Dorfgemeinschaft… Wenn man das nicht erzählt, dann verliert sich vieles und dann verblasst die Erinnerung.
Stichwort Kommunion: aus Erzählungen und auch aus eigenem Erleben weiß ich, dass bei Kommunionfeiern früher die ganze Verwandtschaft anrückte, am zweiten Tag die Nachbarschaft. So war das oft auch bei anderen großen Anlässen – Hochzeiten, Beerdigungen, bei einer Primiz, bei der Oktav, bei der Kirmes… Viel Raum zum Erzählen, zum Weitergeben, in der Wiederholung. Viele kennen wohl die sog. Familiengeschichten, und die bleiben hängen…
Ich merke, dass die diesjährigen Kommunionfeiern noch nachwirken, und anscheinend auch nicht nur bei mir. Sie scheinen bei dem ein oder anderen einen „Nerv“ getroffen zu haben, so dass Sie nicht nur mir davon erzählen. Im Gegensatz zu „abgehakt“ hier lebendige Resonanz. Und davon, von dieser schönen Resonanz, zehre auch ich, zehren wir. Das soll in unseren Herzen bleiben, als Kraftreserve, Proviant, wenn alles im Strom der Zeit versiegt, vielleicht weil es so selbstverständlich erscheint und wir verlernt haben, über das Leben zu staunen, wunderbare Momente mitten im Alltag als solche zu sehen und wie einen Schatz zu heben, indem man es teilt: mit anderen darüber reden, anderen davon erzählen… Und dann, und das ist auch das Schöne daran – sich an den positiven Reaktionen des anderen zu erfreuen. Geteilte Freude ist doppelte Freude, sagt man, so wie auch geteiltes Leid halbes Leid ist. Klingt vielleicht abgedroschen und ist schon uralt, hat aber nichts von seiner tiefen Bedeutung verloren.
Zum Thema „geteiltes Leid“… das merke ich auch bei vielen seelsorglichen Gesprächen, insb. bei Trauergesprächen. Froh und dankbar bin ich dafür, dass die Menschen mich ein wenig teilhaben lassen an ihrem Leben und da insbesondere am Leben ihrer lieben Verstorbenen. Für eine kurze Zeitspanne werden wir zu einer Erzählgemeinschaft.
Unter den Verstorbenen sind etliche, die mir imponiert haben, wie sie mit ihrem Leben umgegangen waren. Und es waren nicht wenige darunter, deren Leben sich über einen Zeitraum von 80, 90, fast 100 Jahre mit all den Verwerfungen, Kriegen, klein wieder anfangen müssen erstreckt hat; in Zeiten, wo das Wort Psychotherapie auf Krankenkassenrechnung noch nicht erfunden war, wo die Menschen aufgrund ihrer Lebens- und oft Notlagen so was wie eine Wunde in sich tragen - und vieles mit sich selbst ausgemacht haben, haben ausmachen müssen.
Das hat sicher nicht bei allen immer zum Wohle des Umfeldes geklappt, auch da hakt es ja mitunter. D.h., es gab und gibt Menschen, die gerade so überlebt haben, aber eben auch solche, die gerade durch die traumatischen Erfahrungen gewachsen waren, richtige „Typen“, die Kraft in sich getragen und nicht nur die Familie durchs Leben geführt, sondern auch da, wo sie waren, z.B. in der Nachbarschaft, im Dorf, gestaltet haben.
Wenn man auf diese Leben schaut und über die so ganz eigenen Marotten - die wohl jeder Mensch entwickelt, mal mehr, mal weniger ausgeprägt – hinwegguckt, mit den Augen Jesu, mit dem barmherzig liebenden Blick…erkennt man oft das, wonach diese Menschen sich gesehnt haben, was sie getragen hat. Und vielleicht sollte, könnte man eine solche Rückschau auch schon einmal zu Lebzeiten machen? Mit den Augen Jesu…? Nicht nur drüber schauen, sondern in die Tiefe hinein: zum Vorschein kommt vielleicht oder hoffentlich das Vertrauen, das es schon gut werden wird. Das Vertrauen auf Gott. Mit ihm sind wir verwoben und er mit uns.
So selbstverständlich ist er uns geworden, dass es gar nicht mehr auffällt, dass er immer mit uns ist. „Fürchte dich nicht, ich bin bei Euch alle Tage bis zum Ende der Welt“ heißt es bei Matthäus am Ende seines Evangeliums.
In uns, mit uns, um uns….
„Halte zu mir, guter Gott“, das war das diesjährige Kommunion-Mottolied, das die Kinder mit Inbrunst singen. Darin drückt sich tiefes Vertrauen aus, dass Gott immer da ist, so selbstverständlich wie das Wasser für einen Fisch, in dem er schwimmt.
Juri, der kleine Fisch aus der Geschichte in den Kommunionmessen, war auf der Suche nach dem Wasser – und hat gar nicht gemerkt, dass er von Wasser ja längst umgeben ist - weil es ihm so selbstverständlich war….
Gott ist immer da. Wer auf Gott vertraut, wird gehalten und getragen durch die Zeit.
Ihr Pfarrer Franz Xaver Huu Duc Tran



